kultur


Joachim Kovacs
Grüne Ottakring


15.02.2012 | 08:54
Das neue Kulturprojekt "WIENWOCHE" stellt sich vor

Wer bei den Begriffen Kultur und Wien gleich an die Lipizzaner denkt, sollte kommenden Herbst die etwas andere Kulturveranstaltung besuchen – die „WIENWOCHE“. Dort geht es um gesellschaftliche Verhältnisse jenseits der Glückseligkeit von Tourismusbroschüren.

Vom 21. September bis zum 7. Oktober diesen Jahres wird in Wien ein für die Öffentlichkeit frei zugängliches, spannendes Kulturprojekt stattfinden, das wir Grüne initiiert haben. Warum das Festival enstanden ist, was es will und wie man mitmachen kann, das erklärt folgender Text, der aus den Presseinfos stammt. Alle Details findest du unter auf der Website www.wienwoche.org.

Wien ist anders? Wien soll anders werden!

Wien wirbt gerne mit Tradition, Gemütlichkeit, Multikulti-Flair auf Märkten und Kreativität in Grätzeln. Während dessen schreiben sich gesellschaftliche Verhältnisse auch jenseits der Glückseligkeit von Tourismusbroschüren in den urbanen Raum ein. Keine Elendsquartiere bedeuten noch nicht die Abwesenheit von Armut, Arbeitslosigkeit oder Ausschlüssen: Wien ist mehr und mehr durchzogen von Verdrängung und Gentrifizierung, diskriminierenden Strukturen, prekären Arbeits- und kaum leistbaren Wohnverhältnissen.

Jedoch ist die Stadt auch ein Ort, an dem sich transnationale und transkulturelle Räume mit eigenem Wissen, eigener Geschichtsschreibung und selbstbestimmten Lebensweisen bilden. Sie ist nicht nur ein Marktplatz, der regiert, verwaltet und kontrolliert wird und an dem Wissen und Information feilgeboten werden. Die Geschichte der Stadt ist auch eine Geschichte von Organisierung, Selbstermächtigung und Widerständen. Weder ist sie nur in offiziellen Chroniken nachzulesen, noch erzählen Gegengeschichten nur von Ausschlüssen, Ausbeutungen und Vereinnahmungen. Der städtische Raum wird auch von seinen Bewohner_innen vereinnahmt, reorganisiert und gestaltet, er ist nicht nur eine Abfolge von verwalteten Örtlichkeiten.

Ausgehend von diesen Überlegungen startet das Kulturprojekt WIENWOCHE anhand dreier Schwerpunkte und folgenden Fragestellungen:

nicht regiert werden - agieren

Was heißt es unter aktuellen gesellschaftlichen Bedingungen gemeinsam aktiv zu werden und was kann das bewirken? Wie erfinden wir uns neu, wenn wir vermeintliche Selbstverständlichkeiten, sei es des Konsums, des Geschlechts oder der Grenzen hinterfragen und hinter uns lassen? Welches Verhältnis bauen wir zur Sprache auf, wenn wir sie als nicht festgelegt, sondern viel mehr als von uns veränderbar begreifen? Welche wären unsere Wünsche an unsere Arbeitsplätze, wenn uns nicht die nächste Arbeitslosigkeit bedrohen würde?

nicht geschichte lesen - neu schreiben

Wer darf sich, wie in Geschichte einschreiben, und wer soll sie um- und neu schreiben können? Welche Akteur_innen rücken dabei in den Vordergrund und welche dürfen sich mit einem Schattenspiel zufrieden geben? Was wird wann sichtbar gemacht und was wird verschleiert – welche und wessen Argumente zählen dabei? Welche Interpretationen werden anerkannt und von wem? Wer schreibt Geschichte aus welcher Perspektive? Und nicht zuletzt: Wie schaut eine selbstgemachte und selbsterzählte Geschichte aus und wie verändert sie ihre Protagonist_innen und die Gesellschaft?

nicht raum verwalten - umverteilen

Wer ist in den öffentlichen und halböffentlichen Räumen der Stadt vertreten, wem sind sie zugänglich, wer darf sich diese aneignen oder nützen? Wie kann öffentlicher Raum als gemeinsames Gut der Ökonomisierung und Privatisierung entzogen werden? Wie kann er von seinen Nutzer_innen kollektiv gestaltet und erweitert werden, wie werden dabei Freiräume erkämpft? Welche Orte sind gegenwärtige Brennpunkte von Auseinandersetzungen um Teilhabe an städtischem Raum? Wie können sich Kulturprojekte in den öffentlichen Raum einschreiben, ohne an der Aufwertung von Stadtgebieten durch neoliberale Standortlogik mitzumachen? Worin bestehen die Möglichkeiten des politischen Handelns im öffentlichen Raum?

Wie kann ich da mitmachen?

WIENWOCHE sucht irritierende und kontroversielle, poetische und politische, kritische und utopische Positionen, die Auseinandersetzungen mit der Stadt als Lebensraum für Alle ernst nehmen, gesellschaftliche und politische Verhältnisse hinterfragen und Veränderungsmöglichkeiten aufgreifen.

WIENWOCHE lädt Einzelne, Gruppen oder Initiativen ein, sich mit der Beschreibung der eigenen Arbeit, Themen, Erfahrungen für die Teilnahme zu bewerben, um gemeinsam mit anderen Personen und Gruppen in kollektiven Prozessen Projekte im Rahmen von WIENWOCHE zu realisieren.

Sie suchen Alle, die sich mit den Projektschwerpunkten anhand kultureller, politischer, sozialer, aktivistischer, theoretischer oder künstlerischer Arbeit auseinandersetzen.

Na dann, los geht´s!

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